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Universal Design
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Universelles Design besteht dabei aus zwei wesentlichen Komponenten:
1. Das Design der Produkte ist so flexibel, dass es ohne Zusatztechnik oder Anpassung von Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten in unterschiedlichen Situationen benutzt werden kann.
2. Das Design der Produkte verträgt sich auch mit Unterstßtzungstechnologie, die von Menschen eingesetzt wird, denen es doch nicht mÜglich ist, die Produkte direkt zu nutzen.
Contents
⢠Definition
⢠Kategorisierung
⢠Barrierefreiheit
⢠Abgrenzung
⢠Siehe auch
⢠Literatur
⢠Weblinks
⢠Einzelnachweise
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Definition
Universelles Design ist der Entwurfsprozess von Produkten (Geräten, Umgebungen, Systemen und Prozessen), die von Menschen der breitestmÜglichen Palette unterschiedlichster Fähigkeiten in der breitestmÜglichen Palette von Situationen (Umgebungen, Konditionen und Umständen) benutzt werden kÜnnen.cite-ref-1[1]
Universelles Design
⢠berßcksichtigt die Anforderungen und Fähigkeiten aller Nutzer.
⢠gestattet einer sehr groĂen Vielfalt von Menschen die erfolgreiche Benutzung (direkt oder mit UnterstĂźtzungstechnologie) von Produkten.
⢠ermĂśglicht die Benutzung von Produkten in einer sehr groĂen Variation von Situationen und Umständen.
⢠fÜrdert Produkte, die flexibel genug sind, den Anforderungen sowohl von neuen als auch von erfahrenen Nutzern gerecht zu werden.
⢠fßhrt zu Produkten, die fßr Nutzer generell einfacher zu verstehen und zu benutzen sind.
Universelles Design
⢠ist kein Produkt oder Ergebnis, sondern ein Prozess. Dieser Prozess fĂźhrt zu Produkten, die fĂźr die grĂśĂtmĂśgliche Gruppe von Menschen nutzbar und nĂźtzlich sind.cite-ref-2[2]
⢠ist kein Trend, sondern ein dauerhaftes, zukunftsorientiertes und ganzheitliches Designkonzept.
⢠ist ein âgutes Designâ, das alle Menschen einbezieht.
Es ist wichtig zu bemerken, dass Universelles Design nicht bedeutet, dass wirklich jeder Mensch unter allen Umständen ein Produkt nutzen kann. Denn es gibt kein Produkt, das die Bedßrfnisse von allen Nutzern vollständig erfßllen kann. Aber wenn die Bedßrfnisse von so vielen Nutzern wie mÜglich in den Designprozess einbezogen werden, kÜnnen Produkte entworfen werden, die von Menschen der breitestmÜglichen Palette unterschiedlichster Fähigkeiten in der breitestmÜglichen Palette von Situationen benutzt werden kÜnnen.
Prinzipien des Universellen Designs
FĂźr das Universelle Design wurden von einer Arbeitsgruppe aus Architekten, Produktdesignern, Ingenieuren und Forschern um den BegrĂźnder des Universellen Designs Ronald L. Macecite-ref-ncsu-edu-usronmace-3-0[3] am Center for Universal Designcite-ref-ncsu-edu-cud-4-0[4] sieben Prinzipien erarbeitet, die als Richtlinien gelten. Denn diese Prinzipien kĂśnnen dazu benutzt werden, vorhandene ProduktentwĂźrfe zu bewerten, den Entwurfsprozess anzuleiten und sowohl Designer als auch Verbraucher Ăźber die Charakteristiken von einfacher zu nutzenden Produkten weiterzubilden.
Prinzip 1: Breite Nutzbarkeit
Das Design ist fßr Menschen mit unterschiedlichen Fähigkeiten nutzbar und marktfähig.
Richtlinien:
⢠FĂźr alle Nutzer gleiche MĂśglichkeiten der Nutzung zur VerfĂźgung stellen: identisch â soweit mĂśglich; gleichwertig â falls dies nicht mĂśglich ist.
⢠Ausgrenzung oder Stigmatisierung von Nutzern vermeiden.
⢠Mechanismen zur Erhaltung von Privatsphäre, Sicherheit und sicherer Nutzung mĂźssen fĂźr alle Nutzer gleichermaĂen verfĂźgbar sein; das Design ist fĂźr alle Nutzer ansprechend zu gestalten.
Prinzip 2: Flexibilität in der Benutzung
Das Design unterstĂźtzt eine breite Palette individueller Vorlieben und MĂśglichkeiten.
Richtlinien:
⢠WahlmÜglichkeiten der Benutzungsmethoden vorsehen.
⢠Rechts- oder linkshändigen Zugang und Benutzung unterstßtzen.
⢠Die Genauigkeit und Präzision des Nutzers unterstßtzen.
⢠Anpassung an die Schnelligkeit des Benutzers vorsehen.
Prinzip 3: Einfache und intuitive Benutzung
Die Benutzung des Designs ist leicht verständlich, unabhängig von der Erfahrung, dem Wissen, den Sprachfähigkeiten oder der momentanen Konzentration des Nutzers.
Richtlinien:
⢠UnnÜtige Komplexität vermeiden.
⢠Die Erwartungen der Nutzer und ihre Intuition konsequent berßcksichtigen.
⢠Ein breites Spektrum von Lese- und Sprachfähigkeiten unterstßtzen.
⢠Informationen entsprechend ihrer Wichtigkeit kennzeichnen.
⢠Klare Eingabeaufforderungen und Rßckmeldungen während und bei der Ausfßhrung vorsehen.
Prinzip 4: Sensorisch wahrnehmbare Informationen
Das Design stellt dem Benutzer notwendige Informationen effektiv zur Verfßgung, unabhängig von der Umgebungssituation oder den sensorischen Fähigkeiten der Benutzer.
Richtlinien:
⢠Unterschiedliche Modi fßr die Präsentation sich wiederholender Informationen vorsehen (bildlich, sprachlich, tastbar).
⢠Angemessene Kontraste zwischen wichtigen Informationen und ihrer Umgebung vorsehen.
⢠Maximierende Lesbarkeit von wichtigen Informationen zur Verfßgung stellen.
⢠Unterscheiden von Elementen in der Art der Beschreibung (z. B. einfache MÜglichkeit nach Anweisungen oder Instruktionen zu geben).
⢠Vereinbarkeit (Kompatibilität) mit einer Palette von Techniken oder Geräten, die von Menschen mit sensorischen Einschränkungen benutzt werden, vorsehen.
Prinzip 5: Fehlertoleranz
Das Design minimiert Risiken und die negativen Konsequenzen von zufälligen oder unbeabsichtigten Aktionen.
Richtlinien:
⢠Arrangieren der Elemente zur Minimierung von Risiken und Fehlern: die meistbenutzten Elemente am besten zugänglich; risikobehaftete Elemente vermeiden, isolieren oder abschirmen.
⢠Warnungen vor Risiken und Fehlern vorsehen.
⢠StÜrungs-/Ausfallsichere MÜglichkeiten vorsehen.
⢠Bei Operationen, die Wachsamkeit verlangen, keine unbewussten Aktionen fÜrdern.
Prinzip 6: Niedriger kĂśrperlicher Aufwand
Das Design kann effizient und komfortabel mit einem Minimum von ErmĂźdung benutzt werden.
Richtlinien:
⢠Die Beibehaltung der natßrlichen KÜrperhaltung ermÜglichen.
⢠Angemessene Bedienkräfte verlangen.
⢠Minimierung sich wiederholender Aktionen.
⢠Andauernde kÜrperliche Beanspruchung vermeiden.
Prinzip 7: GrĂśĂe und Platz fĂźr Zugang und Benutzung
Angemessene GrĂśĂe und Platz fĂźr den Zugang, die Erreichbarkeit, die Manipulation und die Benutzung unabhängig von der GrĂśĂe des Benutzers, seiner Haltung oder Beweglichkeit vorsehen.
Richtlinien:
⢠Eine klare Sicht auf wichtige Elemente fßr jeden sitzenden oder stehenden Benutzer vorsehen.
⢠Eine komfortable Erreichbarkeit aller Komponenten fßr alle sitzenden oder stehenden Benutzer sicherstellen.
⢠UnterstĂźtzen unterschiedlicher Hand- und GreifgrĂśĂen.
⢠Ausreichend Platz fßr die Benutzung sonstiger Hilfsmittel oder von Hilfspersonen vorsehen.
Kategorisierung
Diese sieben Prinzipien des Universellen Designs kĂśnnen wiederum in drei Kategorien eingeordnet werden:
Prinzipien, die sich in erster Linie mit dem Menschen befassen
⢠Prinzip 3: Einfache und intuitive Benutzung
⢠Prinzip 4: Sensorisch wahrnehmbare Informationen
⢠Prinzip 6: Niedriger kÜrperlicher Aufwand
Prinzipien, die sich in erster Linie auf den Prozess beziehen
⢠Prinzip 2: Flexibilität in der Benutzung
⢠Prinzip 5: Fehlertoleranz
⢠Prinzip 7: GrĂśĂe und Platz fĂźr Zugang und Benutzung
Prinzipien, die Mensch und Prozess Ăźberschreiten
⢠Prinzip 1: Breite Nutzbarkeit
Begriffliche Abgrenzung
Der Begriff âUniverselles Designâ wird häufig mit anderen Begriffen, wie z. B. âDesign fĂźr Alleâ oder Barrierefreiheit, gleichgesetzt und synonym gebraucht. Doch auch wenn sich die Begriffe sehr ähneln, unterscheiden sie sich in ihren Grundgedanken.
Design fĂźr Alle (Design for All)
Während das Universelle Design seinen Ursprung in den USA hat, kommt der Begriff âDesign fĂźr Alleâ aus Europa. Der Ursprung dieser beiden Konzepte ist sehr wichtig, denn die kulturelle Ausrichtung der Ursprungsländer prägt das Design.
⢠So gibt es in den USA eine eher homogene Kultur, in der z. B. zugängliche Gebäude und die Erreichbarkeit von Serviceangeboten einheitlich vorgeschrieben und umgesetzt werden. AuĂerdem haben die USA eine stark ausgeprägte individualistische Tradition, in der der einzelne Mensch und nicht die Gruppe im Mittelpunkt steht.
â Bei dem Konzept des Universellen Designs kann man daher eine Betonung der individuellen Rechte des Einzelnen feststellen: Jedes Individuum soll befähigt werden, Zugang zu einem Gebäude, einem Service oder einem Produkt zu haben.
⢠Europa dagegen ist ein vielseitiger Kontinent, auf dem eine historisch gewachsene kulturelle Vielfalt vorherrscht. Europa betont daher sowohl die Einheitlichkeit aller Länder auf dem Kontinent als auch den Erhalt der Unterschiede.
â Design fĂźr Alle als europäische Strategie meint aus diesem Grund, verschiedene Gruppen von Menschen zu integrieren, ohne jedoch eine Einheitlichkeit zu erzwingen.cite-ref-7[7]
Dieser Unterschied in den beiden Konzepten spiegelt sich auch in deren Richtlinien wider: So sind die Prinzipien des Universellen Designs einheitliche Anforderungen fĂźr alle Produkte, Service und Umwelten â die europäischen Strategien schlagen dagegen eine Auswahl mehrerer MĂśglichkeiten vor, wie das Ziel erreicht werden kann.
AuĂerdem gibt es einen Unterschied, wie diese beiden Konzepte umgesetzt werden. Während in Europa Design fĂźr Alle eher als soziales Engagement gilt, steht in der Umsetzung und Vermarktung des Universellen Designs viel mehr der Gewinn im Vordergrund.
| Universelles Design | Design fĂźr Alle |
|---|---|
| USA und Japan | Europa |
| Einheitlichkeit | Vielfalt |
| Individuelles Recht des Einzelnen | Teilhabe an der Gemeinschaft |
| Prinzipien des Universellen Designs | Europäische Strategien |
| Marktorientierung | Soziales Engagement |
Zugängliches Design (Accessible design)
Zugängliches Design ist ein Gestaltungskonzept, das seinen Schwerpunkt auf die Ausweitung der Gestaltungsnormen richtet â in dem Sinne, dass Menschen mit Leistungseinschränkungen ein Produkt, ein Gebäude oder eine Dienstleistung ohne Weiteres nutzen kĂśnnen.
Der Begriff wird vor allem fßr Design verwendet, das die individuellen Fähigkeiten eines Menschen berßcksichtigt und auch seine Unterstßtzungstechnologie einbezieht. Produkte, die in einem zugänglichen Design gestaltet sind, kÜnnen also zusammen bzw. in Ergänzung mit technischen Hilfsmitteln genutzt werden.
In den USA kam âAccessible Designâ in den 1970er Jahren als positiver Begriff fĂźr Barrierefreiheit auf, war und ist allerdings sehr stark mit gesetzlichen Vorschriften verbunden. Vor allem muss sich Zugängliches Design an strenge Mindestanforderungen von Zugänglichkeitscodes und Designstandards halten, die sich in erster Linie auf Menschen mit KĂśrperbehinderungen beziehen.
Barrierefreiheit
Barrierefreiheit verfolgt das Ziel, dass Produkte fßr alle Menschen in der allgemein ßblichen Weise ohne besondere Erschwernis und grundsätzlich ohne fremde Hilfe zugänglich und nutzbar sind.
Während dieses Designkonzept in den Gesetzen und Verordnungen (ausschlieĂlich) fĂźr Menschen mit Behinderung angedacht ist, hat sich in der Praxis allerdings eine Verschiebung des Begriffes ergeben: weg von der Bezeichnung hindernisfreier baulicher Gestaltung fĂźr Rollstuhlfahrer â hin zur Gestaltung von zugänglichen, erreichbaren und nutzbaren Umgebungen fĂźr alle Menschen.
Das bedeutet, dass die Gestaltung barrierefreier Produkte zunehmend den Prinzipien des Universellen Designs nachempfunden wird â und sich auch das Verständnis des Konzeptes an das Universelle Design anpasst.
Abgrenzung
Im Folgenden werden die wichtigsten Unterscheidungspunkte der Designkonzepte zusammengefasst:
| Zugängliches Design | Barrierefreiheit | Design fßr Alle | Universelles Design |
|---|---|---|---|
| Rechtliche Standards | DIN -Normen | Soziales Engagement | Marktorientierung |
| nur fßr Menschen mit Behinderungen | ursprßnglich fßr Menschen mit Behinderungen | fßr die gesamte, vielfältige BevÜlkerung | fßr die gesamte, vielfältige BevÜlkerung |
| MinimallĂśsungen | häufig noch SpeziallĂśsungen | grĂśĂere Mission, WahlmĂśglichkeiten | grĂśĂere Mission, WahlmĂśglichkeiten |
| keine Garantie fĂźr gutes Design | keine Garantie fĂźr gutes Design | Brauchbarkeit, Ăsthetik und Nachhaltigkeit werden als Komponenten einbezogen | Brauchbarkeit, Ăsthetik und Nachhaltigkeit werden als Komponenten einbezogen |
| begrenztes, festgelegtes Konzept | interpretierbares, und somit erweiterbares Konzept | Ideal, ohne vordefiniertes Endstadium | Ideal, ohne vordefiniertes Endstadium |
| Umsetzung wird an Erfßllung der Standards gemessen | Umsetzung wird an DIN-Vorschriften gemessen | Umsetzung wird an Europäischen Strategien gemessen | Umsetzung wird an Erfßllung der Prinzipien gemessen |
| reduziert Diskriminierung | ermĂśglicht soziale Teilhabe | ermĂśglicht soziale Teilhabe | verkĂśrpert individuelles Recht auf Integration |
DarĂźber hinaus liegen in den Konzepten verschiedene Auffassungen von Behinderung vor: Barrierefreiheit und Zugängliches Design basieren eher auf einer personenorientierten und medizinischen Sichtweise von Behinderung. Universelles Design und Design fĂźr Alle sehen Behinderung dagegen als âvon auĂen gemachtâ, so dass Behinderung je nach Situation jeden Menschen betreffen kann.
| | Zugängliches Design | Barrierefreiheit | Design fßr Alle | Universelles Design | |
|---|---|---|---|---|---|
| Individuum | âş âş âş âş âş | âş âş âş âş âş | âş âş âş âş âş | âş âş âş âş âş | Gesellschaft |
Historische Entwicklung
Der Ursprung des Universellen Designs liegt in den Rehabilitationstechniken der 1950er-Jahre. Da im Zweiten Weltkrieg sehr viele Menschen verwundet wurden und bleibende Schäden behielten, mussten verschiedene âAssistive Technologienâ entwickelt werden.
Der Begriff âUniverselles Designâ wurde jedoch erst in den 1980er-Jahren von dem amerikanischen Architekten und Designer Ronald L. Macecite-ref-ncsu-edu-usronmace-3-1[3] und seinen Mitarbeitern am Center for Universal Designcite-ref-ncsu-edu-cud-4-1[4] der North Carolina State University verwendet. Die Arbeitsgruppe aus Architekten, Ingenieuren und Designern entwickelte sieben Prinzipien fĂźr universelles Design mit dem Ziel, Produkte fĂźr die grĂśĂtmĂśgliche Gruppe von Menschen nutzbar zu machen.
⢠1960: erster ANSI-Standard zur barrierefreien Gestaltung von Gebäuden und baulicher Infrastruktur
⢠1968: Architectural Barriers Act
⢠1973: Section 504 des Rehabilitation Act
⢠1975: Education for Handicapped Children Act (heute: Individuals with Disabilities Education Act (IDEA))
⢠1988: Fair Housing Amendments Act
⢠1990: Americans with Disabilities Act (ADA)
⢠1996: Telecommunications Act
⢠1998: Section 508 of the Rehabilitation Act
Auch in Europa entstanden Vereine, die sich mit dem Thema Universal Design auseinandersetzen, wie Universal Design e. V.cite-ref-10[10] (Deutschland) oder das Centre for Excellence in Universal Designcite-ref-11[11] (Irland). In Norwegen wurde ein Plan of Action for Universal Designcite-ref-12[12] ins Leben gerufen. Durch diesen Plan soll der Zugang zu allen wichtigen Bereichen der Gesellschaft fßr Menschen mit Behinderungen erhÜht werden. Dazu zählen neben den Üffentlichen Verkehrsmitteln, Gebäuden und Parks, unter anderem auch der IKT-Bereich.
Der Europaratcite-ref-13[13] setzt sich in seiner Arbeit ebenfalls fßr die Umsetzung von Universal Design zur Erreichung der Teilhabe von Menschen mit Behinderungen ein. Schon 2001 wurde gefordert, dass die Prinzipien des Universellen Designs in Lehrpläne von Berufen im Bereich des Bauens (Barrierefreies Bauen) aufgenommen werden sollen. 2007 wurde dann die Umsetzung von Universellem Design empfohlen, um eine vollständige Teilhabe von Menschen mit Behinderung zu ermÜglichen.cite-ref-14[14]cite-ref-15[15]
Die Umsetzung von Universal Design wurde 2007 von den Vereinten Nationen in der Konvention Ăźber die Rechte Behinderter Menschen gefordert. Diese Konvention wurde von vielen Ländern wie Deutschland, Belgien, Ăsterreich und Frankreich unterzeichnet.cite-ref-16[16]
Relevanz und Ziele
Universelles Design ist ein Konzept, das zum Ziel hat,
⢠das Design und die Zusammenarbeit von Umgebungen, Produkten, Kommunikationsformen, Informationstechnologien und Dienstleistungen fßr jeden Menschen zugänglich und verständlich zu machen.
⢠Produkte in der Art nutzbar zu machen, dass sie auf die unabhängigste und natßrlichste Weise gebraucht werden kÜnnen und mÜglichst nicht angepasst oder spezialisiert werden mßssen.
⢠getrennte LÜsungen und spezielle Dienstleistungen zu verringern.
⢠das alltägliche Leben fßr alle Menschen zu vereinfachen.
Universelles Design ist ein Konzept, das in allen Bereichen der Gesellschaft und des alltäglichen Lebens umgesetzt und zum Standard werden sollte. Dies gilt in besonderem MaĂe wenn man bedenkt, dass Universelles Design erheblich zu einer wirtschaftlichen und sozialen Nachhaltigkeit von Umwelten, Produkten und Dienstleistungen beitragen kann.
Gerade in Zusammenhang mit der demografischen Entwicklung, sollte die Unterschiedlichkeit der Menschen als Potenzial wahrgenommen werden. Dieses Potenzial soll in Gestaltungsprozesse einbezogen werden, so dass Lebenswelten entstehen, die fĂźr Alle nutzbar sind. Universelles Design ist hierfĂźr die ideale Grundlage.cite-ref-munic-17-0[17] Unternehmen und Dienstleister, die das Potential erkennen und die Prinzipien des Universellen Designs in Entwicklungs- und Produktionsprozessen berĂźcksichtigen, kĂśnnen Ăźber kurz oder lang eine vorteilhafte wirtschaftliche Position einnehmen. Die Verwirklichung von Universellem Design in konkreten Designprozessen kann somit auch gewinnbringend sein.
Weiterhin ist zu bedenken, dass Lebensläufe und Biographien heutzutage und auch zukĂźnftig keineswegs geradlinig verlaufen. Vielmehr zeigt sich fĂźr jeden Einzelnen eine groĂe Bandbreite an MĂśglichkeiten; nicht nur die Menschen an sich sind unterschiedlich, sondern sie gestalten ihr Leben auch auf hĂśchst unterschiedliche und individuelle Art. Ein und dasselbe Produkt kann damit fĂźr verschiedene Menschen unterschiedliche funktionale oder symbolische Zwecke erfĂźllen. Klassische Konsumentenklassifikationen (Alter, Geschlecht, Herkunft, Bildungsgrad) verlieren damit an Bedeutung; gutes Design muss von nun an innerhalb verschiedener Lebenswelten funktionieren.cite-ref-idz-1-18-0[18]
Good-Practice-Beispiele
Weil Rahmenbedingungen fĂźr die Evaluation von Best Practice in Bezug auf Universelles Design bis dato fehlen, kann Best Practice noch nicht eindeutig definiert werden. Daher wird im Folgenden von âGood Practiceâ gesprochen.
âSo far, there is a lack of frameworks helping to guide the evaluation, both for quantitative as well as qualitative measurements, of best practise.âcite-ref-19[19]
In Anlehnung an die sieben Prinzipien des Universellen Designs, sind folgende Dienstleistungen und Produkte beispielhaft fĂźr âGood Practiceâ zu nennen:
Supermarkt der Generationen
Das folgende Beispiel entstammt einem Forschungsberichtcite-ref-idz-1-18-1[18] des Internationalen Design Zentrums Berlin und macht deutlich, wie eine Dienstleistung im Sinne des Universellen Designs gestaltet werden kann. Der Supermarkt der Generationen (entwickelt von der Edeka Unternehmensgruppe Nordbayern-Sachsen-Thßringen) bietet viele Vorteile fßr unterschiedlichste Kundengruppen. Grundsätzlich wurde das Konzept fßr alle Verbraucher entwickelt. Der Supermarkt zeichnet sich vor allem durch folgende Punkte aus:
⢠Bessere Ausleuchtung der Waren
(Die Prinzipien breite Nutzbarkeit und einfache und intuitive Benutzung werden erfĂźllt)
⢠Stärkere Beleuchtung der Verkaufsräume
(Die Prinzipien breite Nutzbarkeit und einfache und intuitive Benutzung werden erfĂźllt)
⢠Einrichtung einer Ruhezone: Bank, Wasserspender, Zeitungen
(Das Prinzip niedriger kĂśrperlicher Aufwand wird erfĂźllt)
⢠Breite Gänge und Kassenzonen
(Das Prinzip GrĂśĂe und Platz fĂźr Zugang und Benutzung wird erfĂźllt)
⢠Verminderte Warenplatzierungen in den Gängen
(Das Prinzip GrĂśĂe und Platz fĂźr Zugang und Benutzung wird erfĂźllt)
⢠Absenkung der RegalhÜhen
(Die Prinzipien breite Nutzbarkeit, einfache und intuitive Benutzung und niedriger kĂśrperlicher Aufwand werden erfĂźllt)
⢠GroĂe Beschriftungen an den Regalen sowie Leselupen an den Regalen
(Die Prinzipien breite Nutzbarkeit, Flexibilität in der Benutzung und einfache und intuitive Benutzung werden erfßllt)
⢠Sprechende Waagen
(Die Prinzipien breite Nutzbarkeit und sensorisch wahrnehmbare Informationen werden erfĂźllt)
⢠Singlepackungen im Warensortiment
(Das Prinzip Flexibilität in der Benutzung wird erfßllt)
⢠Serviceknopf zum Rufen des Personals an zentralen Stellen im Laden
(Das Prinzip Fehlertoleranz wird erfĂźllt)
⢠Blindenschrift im Eingangsbereich und an den Regalen
(Das Prinzip sensorisch wahrnehmbare Informationen wird erfĂźllt)
⢠Blindenleitsystem in den Fluren des Supermarktes
(Das Prinzip sensorisch wahrnehmbare Informationen wird erfĂźllt).
Es handelt sich hierbei um ein generationsßbergreifendes Konzept, das besonders fßr Senioren, Kunden mit Behinderungen, junge Singles oder Eltern mit kleinen Kindern besondere Vorteile bereithält.
Waschmaschine âKlassikâ von Miele
Mit der Entwicklung der Waschmaschine âKlassikâ von Miele wurde das Ziel verfolgt, die Wäschepflege fĂźr die Nutzer einfacher und komfortabler zu machen. Die Bedienelemente sind klar angeordnet, um eine einfache Handhabung zu gewährleisten. Die Waschmaschine zeichnet sich vor allem durch folgende Punkte aus:
⢠Funktionen und Programme sind in groĂer Schrift auf der Bedienblende
(Die Prinzipien breite Nutzbarkeit und einfache und intuitive Benutzung werden erfĂźllt)
⢠Leicht erkennbare Darstellung durch zweizeiliges Display
(Die Prinzipien breite Nutzbarkeit und einfache und intuitive Benutzung werden erfĂźllt)
⢠Hinterleuchtete Anzeige
(Die Prinzipien breite Nutzbarkeit und einfache und intuitive Benutzung werden erfĂźllt)
⢠Verringerte Komplexität: 5 wesentliche Waschprogramme stehen zur Auswahl
(Die Prinzipien breite Nutzbarkeit, einfache und intuitive Benutzung und Fehlertoleranz werden erfĂźllt)
⢠ErhÜhte Bauweise durch eingebauten Sockel, falls gewßnscht
(Die Prinzipien Flexibilität in der Benutzung, niedriger kĂśrperlicher Aufwand und GrĂśĂe und Platz fĂźr Zugang und Benutzung werden erfĂźllt)
⢠Adaption der Bedienung durch blinde Nutzer mÜglich
(Die Prinzipien Flexibilität in der Benutzung und sensorisch wahrnehmbare Informationen werden erfßllt)
⢠MÜglichst optimale Handhabung der Maschine durch die Verwendung von gut bedienbaren Tasten und Drehschaltern
(Die Prinzipien breite Nutzbarkeit und einfache und intuitive Benutzung werden erfĂźllt)
Die Reihe Klassik von Miele wurde 2009 mit dem universal design award 09 sowie mit dem universal consumer favorite 09cite-ref-20[20] ausgezeichnet.
âGenerationenfreundliches Warenhausâ â Kaufhof im Jahr 2013
Die Warenhauskette Galeria Kaufhof baute Warenhäuser nach Kriterien fĂźr das âQualitätszeichen Generationenfreundliches Einkaufenâ um. Besonderer Augenmerk wurde dabei darauf gelegt, dass das âEinkaufen fĂźr Menschen aller Altersgruppen und fĂźr Menschen mit Handicap so angenehm und barrierefrei wie mĂśglichâ zu gestalten.cite-ref-21[21] Dazu zählen unter anderem:
⢠Eingänge breit und ebenerdig
⢠Umkleidekabinen mit Haltegriffen, fester Sitzbank
⢠Einkaufsbegleitung fßr blinde und sehbehinderte Menschen
⢠gute Lesbarkeit von Schildern
Kaufhof nahm Produkte, die unter den Gesichtspunkten des âUniversal Designâ gestaltet und mehrfach ausgezeichnet wurden, mit ins Sortiment auf.cite-ref-22[22] Dazu zählten u. a. Teller mit einem, nicht sichtbar erkennbaren, schrägen Innenboden als Hilfsfunktion, Becher die âso gestaltet sind, dass man den Inhalt ganz austrinken kann, ohne den Kopf in den Nacken legen zu mĂźssenâ.
Schwierigkeiten bei der Umsetzung von Universellem Design
Obwohl die Relevanz von Universellem Design beträchtlich ist, wird das Konzept in gestalterischen Prozessen bisher kaum umgesetzt. Die Grßnde hierfßr sind vielfältig:
In Deutschland gibt es zwar festgesetzte DIN-Normen bezßglich der barrierefreien Gestaltung von Gebäuden und Üffentlichen Räumen, es gibt allerdings keinerlei Richtlinien in Bezug auf die Umsetzung von Universellem Design. Es fehlt also definitiv an einer gesetzlichen Grundlage oder wenigstens festgelegten Standards.
Weiterhin mangelt es an Fachkräften, die in der Lage wären, UD-Produkte zu entwickeln, zu evaluieren und zu verkaufen. Zudem ist das Konzept noch nicht besonders bekannt und spielt damit in der breiten Ăśffentlichen Diskussion noch eine unbedeutende Rolle â auch wenn sich dies in naher Zukunft sicherlich ändern wird.
Auf Seiten der Unternehmen findet sich häufig die Angst, dass UD-Produkte keine finanziellen Gewinne bringen.cite-ref-munic-17-1[17] Diese Angst hängt insbesondere mit der Vorstellung zusammen, dass die Entwicklung von Produkten, die fßr alle nutzbar sind, mit erheblichen Kosten verbunden ist. Es besteht die Sorge, dass die hohen Produktions- und Entwicklungskosten von den Erträgen aus dem Verkauf der Produkte nicht gedeckt werden kÜnnen.
Zudem mangelt es an entsprechenden Vorbildern und Vorreitern in diesem Bereich, so dass ein entsprechender Wettbewerb (bisher) nicht zu Stande kommt. Obwohl es zum Thema Universelles Design mittlerweile einige Textbeiträge, Berichterstattungen und wissenschaftliche Studien gibt, fehlt noch eine ernsthafte Auseinandersetzung der Industrie mit diesem Themenbereich.
Ideen und Handlungsempfehlungen fßr eine verstärkte Umsetzung
⢠Präzisierung von Begriffen und Definitionen
Der Begriff Universelles Design findet noch keine einheitliche Verwendung, vielmehr werden verschiedene Konzepte und Begriffe parallel verwendet. Eine Präzisierung der Begrifflichkeiten und Definitionen wäre wßnschenswert, um ein allgemeingßltiges Verständnis von Universellem Design mÜglichst breit in unterschiedlichen Handlungskontexten zu etablieren und die Umsetzung in der Praxis voranzutreiben.
⢠Entwicklung handlungsleitender Kriterien
Die Formulierung von handlungsleitenden Kriterien fĂźr Universelles Design wĂźrde dazu beitragen, die konkrete Umsetzung entsprechender Konzepte in der Praxis zu erleichtern.
⢠Spezifizierung von Nutzereinbindung
Nutzereinbindung liefert bei der Entwicklung neuer Produkte und Dienstleistungen wichtige Hinweise zur optimalen Gestaltung und Handhabbarkeit und hilft dabei, Fehler zu vermeiden. Die Relevanz von Nutzereinbindung muss im Kontext von Universellem Design stärker kommuniziert werden, da sie auf dem Weg zu einem guten Design fßr Alle unerlässlich ist. Die bisherige Einbindungen von Nutzern erfolgt noch nicht nach einheitlichen Standards; zudem werden unterschiedliche Personengruppen gewählt. Wichtig ist, dass die Unternehmen fßr die Heterogenität verschiedener Personengruppen sensibilisiert werden, damit auch vermehrt Menschen mit Behinderungen, ältere Menschen oder junge Familien mit Kindern einbezogen werden. Entwicklungen in diesem Bereich sind wßnschenswert und voranzutreiben.
⢠Direkte staatliche FÜrderungsmÜglichkeiten
Im Bereich staatlicher FĂśrderungsmĂśglichkeiten sind finanzielle ZuschĂźsse und zinsgĂźnstige Darlehen denkbar, um Projekte und Innovationen im Bereich des Universellen Designs voranzutreiben. Zudem kĂśnnten in Ausschreibungen fĂźr Projekte direkte Vorgaben gemacht werden, die dem Ansatz des Universellen Designs entsprechen.
⢠Intensivierung von Kommunikation und Beratung
Neben wissenschaftlichen VerÜffentlichungen wären vermehrte Buchpublikationen, Prospekte, Broschßren und Datenbanken im Internet wßnschenswert, um Universelles Design bekannter zu machen und auf eine verstärkte Umsetzung hinzuwirken. Auch Ausstellungen und Fachtagungen, bei denen Vertreter aus Forschung und Wissenschaft sowie Wirtschaft und Industrie zusammenkommen, wären hierfßr sicherlich hilfreich. Zudem sollten Unternehmen verstärkt dahingehend beraten werden, wie sie die Ergebnisse aus der Forschung konkret bei der Produktentwicklung umsetzen kÜnnen.
⢠FÜrderung von Forschung und Erfahrungsaustausch
Veranstaltungen, Tagungen und Workshops zum Thema Universelles Design kÜnnten dazu beitragen, dass sich die Akteure aus diesem Themenfeld stärker vernetzen. So kÜnnten sowohl bisherige Erfahrungen als auch neue Ideen und Entwicklungen besser kommuniziert werden. Im Zuge kleinerer Veranstaltungen kÜnnten zudem regionale und/oder branchenspezifische Schwerpunkte gesetzt werden. Zudem gilt es, die wissenschaftliche Forschung und Auseinandersetzung mit dem Themenfeld Universelles Design weiter voranzutreiben und in unterschiedlichen Fachbereichen zu etablieren.
⢠Stärkung von Aus- und Weiterbildung
Es ist von enormer Bedeutung, dass das Thema Universelles Design zu einem festen Bestandteil in den Ausbildungen relevanter Disziplinen wird. Zu nennen wären hier exemplarisch: Sozialwissenschaften, Design, Ingenieurwissenschaften, Informationstechnik, Raum- und Städteplanung, Produktentwicklung, Marketing und Vertrieb.
Um Personen zu qualifizieren, die jetzt schon in den entsprechenden Handlungsfeldern arbeiten, wären Weiterbildungen, Schulungen und Projekte wßnschenswert.cite-ref-idz-1-18-2[18]
⢠Gesetzliche Vorgaben
Die Umsetzung von Universellem Design kĂśnnte durch klare gesetzliche Vorgaben vorangetrieben werden.
⢠Generationen- und kulturßbergreifende Produktgestaltung
Produkte sowie Angebote von Dienstleistungen mßssen generationenßbergreifend gestaltet werden. Dies bietet eine altersunabhängige und ergonomische Nutzerfreundlichkeit. Durch den kulturellen Aspekt werden individuelle Bedarfe der Nutzer berßcksichtigt, so dass Produkte und Dienstleistungen des universellen Designs als kundenorientiert bewertet werden kÜnnen.
⢠Ăffentlichkeitsarbeit
Damit sich universelles Design in groĂem Umfang verbreitet, muss Ăffentlichkeitsarbeit betrieben werden. Diese dient dazu, ein generelles Bewusstsein, Akzeptanz sowie die Benutzung des universellen Designs durch die gesamte Gesellschaft zu ermĂśglichen. Beispielsweise kĂśnnten Ausstellungen zum Thema angeboten werden.cite-ref-munic-17-2[17]
Ausbildung und Training
Wie bereits in den Handlungsempfehlungen fĂźr eine verstärkte Umsetzung angeklungen, ist es von grĂśĂter Bedeutung, Experten fĂźr Universelles Design auszubilden. Diese sollten in sämtlichen Handlungsfeldern und Lebensbereichen tätig sein, so dass sichergestellt werden kann, dass das Bewusstsein fĂźr universelles Design und insbesondere die Anwendung und Umsetzung des Designkonzepts Verbreitung finden.
Um dies zu erreichen, ist es entscheidend,
⢠das Konzept des Universellen Designs als festen Bestandteil in Ausbildungen und Studiengängen verschiedener Disziplinen zu integrieren und somit grundlegende Kenntnisse und Fähigkeiten umfassend und groĂflächig zu vermitteln; sowie
⢠Personen zu qualifizieren, die bereits in entsprechenden Handlungsfeldern arbeiten und die neu erworbenen Kenntnisse und Fähigkeiten in ihren Beruf einbringen kÜnnen. Hierfßr sollten spezifische Ausbildungs- und Trainingsprogramme entwickelt werden.
Doch in Ausbildungen und Studiengängen scheint das Designkonzept bislang keine Ăźbergeordnete Rolle zu spielen â was bedauerlich ist, da insbesondere an Universitäten zukĂźnftige Spezialisten gezielt ausgebildet werden kĂśnnten.
Erste Bestrebungen existieren lediglich innerhalb des Projektes DfA@eInclusion,cite-ref-23[23] in welchem ein Ausbildungskonzept fĂźr Design fĂźr Alle erarbeitet wurde. In diesem Ausbildungskonzept ist es angedacht, in Bachelor-Studiengängen einen EinfĂźhrungskurs zum Design anzubieten, während auf Master-Ebene ein eigenständiger Studiengang errichtet werden soll.cite-ref-24[24] Ăhnliche Programme werden zudem an der Middlesex University,cite-ref-25[25] UK sowie der Universität Linz,cite-ref-26[26] Ăsterreich realisiert â Programme, die auch fĂźr Universelles Design als Vorlage dienen kĂśnnten.
Auch im Bereich der Weiterbildungen, Schulungen und Projekte lassen sich lediglich vereinzelte Aktivitäten verzeichnen:
⢠So wird seit Mai 2009 ein umfassender Workshop des European Committee for Standardization (CEN)cite-ref-27[27] zur Weiterbildung von Fachpersonal der Informations- und Kommunikations-Industrie abgehalten. Das âCurriculum for training professionals in Universal Designâcite-ref-28[28] qualifiziert Mitarbeiter, Universelles Design in seinen Grundsätzen zu verstehen, Verbesserungspotential bisheriger Produkte zu erkennen sowie das Universelle Design in zukĂźnftigen Produkten anzuwenden.
⢠Das Center for Universal Designcite-ref-31[31] fßhrt bereits seit mehreren Jahren Kurse, Weiterbildungen und Trainings fßr verschiedene Interessengruppen durch, bei denen als Kernelement der Ausbildung insbesondere die Selbsterfahrung und Sensibilisierung fßr verschiedene Nutzerprobleme im Vordergrund stehen. Auf diese Weise sollen die Teilnehmer/Designer zu dem Bewusstsein gefßhrt werden, verschiedene Nutzerbedßrfnisse und -erschwernisse in ihren Designentwßrfen zu berßcksichtigen.cite-ref-32[32]
Hingegen existieren wiederum fĂźr das Design fĂźr Alle Aus- und Weiterbildungskonzepte, die als Vorlage fĂźr Universelles Design dienen kĂśnnten.
Entscheidend in diesem Ausbildungsprozess ist Ăźberdies, an der Schnittstelle zwischen Design und Anwendung auch die End-Nutzer des Universellen Designs einzubeziehen. Diese sollten als Experten in eigener Sache insbesondere dahingehend trainiert und befähigt werden, universelle Produkte zu vergleichen und zu bewerten, konstruktive Kritik zu äuĂern, sowie Aspekte und Anwendungsschwierigkeiten aufzuspĂźren, die im Designentwurf nicht berĂźcksichtigt wurden.cite-ref-33[33]
Universal Design for Learning (UDL) in der Hochschullehre
Universal Design for Learning (UDL) bezeichnet Lernen in der Hochschullehre, das einen barrierefreien Zugang zu Lerngegenständen und Lernräumen fĂźr alle Lernenden ermĂśglicht. UDL in der Hochschulbildung begann in den frĂźhen 2000er Jahren, als das âOffice of Postsecondary Educationâ des US-Bildungsministeriums ZuschĂźsse fĂźr Colleges und Universitäten bereitstellte, um das Konzept in die Hochschulbildung zu bringen.cite-ref-34[34]
UDL ist ein (hochschul-)didaktischer Rahmen, der darauf abzielt, integrative und gerechte Lernumgebungen fĂźr alle Lernenden zu schaffen, unabhängig von ihren individuellen Fähigkeiten, Lernvorlieben oder HintergrĂźnden. Es basiert auf der Idee, dass es kein einheitliches Angebot fĂźr das Lernen geben kann, das fĂźr alle Lernenden passt, sondern dass Lernerfahrungen ermĂśglicht werden sollten, die eine breite Palette von Lernvariablen berĂźcksichtigen. Das Ziel von UDL ist es, Lernbarrieren zu beseitigen und den Lernenden mehrere Wege zu erĂśffnen, um Zugang zu den Inhalten zu erhalten, sich mit ihnen auseinanderzusetzen und ihr Verständnis fĂźr sie zu zeigen. UDL wird von drei Hauptprinzipien geleitet, die oft als die âdrei UDL-Prinzipienâ oder âUDL-Richtlinienâ bezeichnet werden: (1) Vielfältige MĂśglichkeiten der Mitwirkung (engl. âEngagementâ), (2) Vielfältige Wege der Darstellung (âRepresentationâ) und (3) Vielfältige Formen der Handlung und des Ausdrucks (âExpressionâ).cite-ref-35[35]
Nationale und Internationale Projekte
In Deutschland gibt es seit 2008 den âuniversal design awardâ. Dieser Preis soll Designer und Hersteller motivieren, neue Produkte, Architektur und Dienstleistungen im Bereich des Universellen Designs zu entwickeln. Veranstalter des Awards ist der Verein universal design e. V. Die Auszeichnung der Gewinner universal design awards 2010 findet in Hannover auf der CeBIT 2010 statt. 2009 wurde von diesem Veranstalter, im Rahmen der Weimarer Erklärung, erstmals der universal design company award verliehen.cite-ref-36[36] Dieser Preis zeichnet Unternehmen aus, die nicht nur die oben beschriebenen Entwicklungen vorantreiben, sondern sich auch nachhaltig und sozial engagiert zeigen.
Ein weiteres Projekt entstand in Kooperation zwischen universal design e. V. und dem Lehrstuhl fĂźr Industrial Design der Technischen Universität MĂźnchen. Thema des Forschungsprojekts war âUniversal Design im globalen demografischen Wandelâ.cite-ref-munic-17-3[17] Ziel dieser Kooperation war es, die unterschiedlichen Begriffe von Universellem Design auf nationaler und internationaler Ebene zu erforschen und auf dieser Ebene Produkte zu gestalten, die generationsĂźbergreifend Anwendung finden.
Eine andere Herangehensweise wird im Projekt des Fraunhofer inHaus-Zentrums gewählt. In diesem Zentrum werden Räume und Gebäude mit dem Ziel entwickelt, Wirtschaftlichkeit und Nutzereffizienz zu steigern. Dabei werden besonders Themen wie Energieeffizienz, Sicherheit und Umweltschutz mit einbezogen. Speziell fßr einen Mehrgenerationenhaushalt wurden ein Badezimmer und ein Schlafzimmer entwickelt. In diesen werden MÜbelstßcke mit unterschiedlichsten Sensortechnologien, Robotik, Kommunikations- und Informationstechnologien verbunden. Ein Beispiel ist der Badezimmerspiegel, durch diesen kÜnnen unterschiedliche Informationen angezeigt werden, wie die Zeit fßr das Zähneputzen, das Wetter oder die Medikamenteneinnahme. Die Technologien kÜnnen an die Bedßrfnisse der Nutzer angepasst werden.
Auch auf internationaler Ebene finden Projekte zum Thema Universelles Design statt. In vielen Ländern, wie Irland, Japan und den skandinavischen Ländern, wurden BehÜrden zu diesem Themenschwerpunkt eingerichtet. Besonders in Japan ist das Universelle Design schon weit fortgeschritten. 2010 fand in Hamamatsu die dritte Konferenz fßr Universelles Design statt. Im Mittelpunkt dieser Konferenz stand die Frage, wie die Kommunikation zwischen Nutzern und Hersteller gefÜrdert werden kann, um ein Universelles Design fßr alle zu entwickeln.
Eine weitere Konferenz fand 2010 an der Universität von Oslo statt. Veranstalter war das National Network for Universal ICT. Themenschwerpunkte dieser Konferenz waren universelle Technologien, Zugänglichkeit von Kommunikationstechniken, Entwicklung von universellem Design, politische Umsetzung, Standards und Richtlinien und Umsetzung und Akzeptanz von universellem Design in Gebäuden.
Richtlinien und Standards fĂźr Universelles Design
FĂźr den Bereich Universelles Design wurden noch keine grundlegenden Gesetze verabschiedet. Es kĂśnnen jedoch folgende Dokumente als Richtlinien zur Umsetzung von Universellem Design genutzt werden:
⢠UN-Konventioncite-ref-37[37]
Artikel 2: âBestimmungenâ
⢠ISO Guide 71cite-ref-38[38]
Richtlinien fßr Standards zur Berßcksichtigung der Bedßrfnisse von älteren Menschen und Menschen mit Behinderung
⢠European Concept for Accessibility (ECA)cite-ref-39[39]
Verbesserung von Ăśffentlichen BehĂśrden und Verwaltungen
⢠BITVcite-ref-40[40]
Barrierefreie-Informationstechnik-Verordnung: Verordnung zur Schaffung barrierefreier Informationstechnik nach dem Behindertengleichstellungsgesetz
⢠DIN 18024 Teil 1 und 2
Barrierefreies Bauen: Anforderungen fĂźr StraĂen, Plätze, Wege, Ăśffentliche Verkehrs- und GrĂźnanlagen sowie Spielplätze
Barrierefreies Bauen: Anforderungen fßr Üffentlich zugängige Gebäude und Arbeitsstätten
⢠DIN 18025 Teil 1 und 2
Wohnungen fĂźr Rollstuhlfahrer
Barrierefreie Wohnungen
⢠DIN EN ISO 13407cite-ref-41[41]
Benutzerorientierte Gestaltung interaktiver Systeme
⢠DIN EN ISO 18529cite-ref-42[42]
Ergonomie der Mensch-System-Interaktion â auf den Menschen bezogene Beschreibungen des Lebenswegprozesses
Siehe auch
⢠Diskriminierung
⢠Schindler Award â Architekturwettbewerb fĂźr barrierefreies Bauen
⢠Betonkopf (Preis) â Negativpreis fĂźr besonders drastische VerstĂśĂe gegen barrierefreies Bauen und die damit verbundene Diskriminierung behinderter Menschen
⢠Wheelmap.org, eine Online-Karte zum Finden und Markieren rollstuhlgerechter Orte
Literatur
⢠CEUD & NDA: Universal Design for the 21st Century: Irish & International Perspectives. Conference Proceedings 2007. Centre for Excellence in Universal Design & National Disability Authority. ISBN 978-1-870499-24-8.
⢠Robert F. Erlandson: Universal and Accessible Design for Products, Services, and Processes. CrC Press, Boca Raton. ISBN 978-0-8493-7493-7.
⢠Oliver Herwig: Universal Design: LÜsungen fßr einen barrierefreien Alltag. Birkhäuser, Basel 2008. ISBN 3-7643-8717-3.
⢠IDZ-Berlin: Universal Design, Unsere Zukunft gestalten. Internationales Design Zentrum Berlin, Berlin, 2008. ISBN 978-3-9811519-2-3.
⢠IDZ-Berlin: Notizen zum Thema / Notes on Universal Design Internationales Design Zentrum Berlin, Berlin, 2011. ISBN 978-3-9811519-4-7.
⢠universal design im globalen demographischen Wandel. Forschungsarbeit der TU Mßnchen + des universal design e. V. mit Unterstßtzung aus Mitteln der Robert Bosch Stiftung, als download bei ud-germany.de
⢠ECA 2013 Design fĂźr Alle erfolgreich umsetzen â Von der Theorie zur Praxis ISBN 978-3-00-044074-8 als Download bei FĂźrst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin
⢠ECA 2017 Design fßr Alle und Tourismus: Mehrwerte fßr Destinationen ISBN 978-3-00-056613-4 als Download bei Fßrst Donnersmarck-Stiftung zu Berlin
⢠Christoph Metzger: Neuroarchitecture, Jovis, Berlin 2018, ISBN 978-3-86859-479-9
Weblinks
⢠CUD â Center for Universal Design an der NC State University
⢠EDeAN â European Design for All eAccessibiliy Network (Initiative fĂźr bessere Zugänglichkeit in Bereichen der Informationsgesellschaft)
⢠Forschungsinstitut Technik und Behinderung â Forschungsinstitut Technik und Behinderung
⢠Fraunhofer inHaus-Zentrum â Fraunhofer inHaus-Zentrum. Intelligente Raum- und Gebäudesysteme
⢠HTW Berlin â Forschergruppe Universal Design Thinking
⢠IDZ â Internationales Design Zentrum Berlin (Qualitätszeichen Universal Design)
Einzelnachweise
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